Institut für Neue Technische Form

Kunst und Gestaltung, Kleinserie und Industrieprodukt


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Die Ausstellung ist verlängert bis 28. April 2019!
Über Ostern vom 19. April bis 22. April geschlossen.



das anstrengende ist das ganz gewöhnliche.
und im ganz gewöhnlichen zahlt sich das leben aus.
im gewöhnlichen entfaltet sich kultur.
als form, die man seinem leben gibt.
otl aicher

65+

Designgeschichte und -geschichten.
Das Institut für Neue Technische Form

Ausstellung
20. November 2018 bis 17. März 2019, verlängert bis 28. April 2019
Öffnungszeiten
Dienstag bis Samstag 11 bis 17 Uhr
Sonntag 11 bis 14 Uhr


Zur Ausstellung erschien ein Katalog.

 
  

Plakat der Ausstellung


65+
Designgeschichte und Designgeschichten:
Das Institut für Neue Technische Form

Unter den schon legendären Darmstädter Gesprächen fand das des Jahres 1952 mit dem Thema  Mensch und Technik unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Theodor Heuss besondere Beachtung. Wissenschaftler, Philosophen, Politiker, Unternehmer, Künstler,  Architekten und Formgestalter diskutierten die drängenden Fragen der Nachkriegszeit bezüglich Industrialisierung und zunehmender Massenproduktion, sowie die Auswirkungen auf Wirtschaft und Kulturpolitik.

Gotthold Schneider organisierte die begleitende Ausstellung mit dem Titel Mensch und Technik in Erzeugnis, Form und Gebrauch, in der sowohl technische Errungenschaften z.B. der Stromerzeugung, wie auch gut gestaltete Gebrauchsgüter gezeigt wurden.

Es entstand der Wunsch nach einer bundesweit tätigen Institution, die sich weiterhin mit den diskutierten Themen befassen sollte - die Geburtsstunde des Rat für Formgebung und auch des Instituts für Neue Technische Form, das unter dem Vorsitz von Prinz Ludwig von Hessen und bei Rhein im Dezember 1952 gegründet wurde. Gedacht als Ergänzung zur Arbeit des RfF wurden die Aufgaben des INTeF mit Sammlungstätigkeit und Vermittlung der Guten Form industrieller und handwerklicher Produkte definiert. Prinz Ludwig führte die kulturelle Tradition seines Vaters Großherzog Ernst Ludwig fort, der um die Jahrhundertwende in der Künstlerkolonie auf der Darmstädter Mathildenhöhe zukunftsweisende Ideen in Kunst, Handwerk und Bauen realisierte.

Als erster Geschäftsführer des INTeF nahm Gotthold Schneider im Alfred-Messel-Haus engagiert die Arbeit auf, 1975 übernahm sein Sohn Michael Schneider seine Aufgaben.  Bis zu seinem Tod 2016 beleuchtete er in gut 40 Jahren möglichst viele Aspekte des Designs unter Einbeziehung auch der Nachbarbereiche Fotografie, Architektur und Kunst. Es ging ihm um Reflektieren, kritische Betrachtung und bewußtes Gestalten unserer Umwelt.

65 Jahre Institutsarbeit sind mehr als 250 Ausstellungen, Werkstattberichte, Design-Wettbewerbe und unermeßlich viele Begegnungen von Menschen bei Eröffnungen, Führungen, Workshops, Vorträgen und Diskussionen. Daneben ist eine umfangreiche Sammlung gewachsen mit Beispielen der Guten Form, aber auch vielen Alltagsgegenständen, die sechs Jahrzehnte Design-Entwicklung dokumentieren. Eine chronologische Auswahl der Ausstellungstätigkeit bis heute ist hier jetzt in kleinen Ausschnitten zu sehen. Streiflichter zeigen und Erinnerungen wachrufen, überlieferte und selbst erlebte Geschichten erzählen, möchte diese Jubiläumsausstellung. Ein Dankeschön an alle Freunde und helfenden Hände, die das INTeF bis hierher an den neuen Standort -  intef@waben - begleitet haben.


65-plus-Jahre-Institut-für-Neue-Technische-Form

das sind
– etwa 250 Ausstellungen
– noch ungezählte Gegenstände der Guten Form und des Alltags
– unermeßlich viele Begegnungen von Menschen bei
   Eröffnungen, Führungen, Workshops, Design-Wettbewerben,
   Vorträgen oder sonntäglichem Frühstück.


Wir danken unseren
Sponsoren, Freunden und Mitgliedern
für ihre Unterstützung
und der Stadt Darmstadt
für das neue Domizil.

Merck’sche Gesellschaft für Kunst und
Wissenschaft e.V.

Dieter und Ingeborg Rams Stiftung

Kurt und Lilo Werner RC Stiftung

entega Stiftung

Wissenschaftsstadt Darmstadt

Sparkasse Darmstadt

Bürgerstiftung Darmstadt

Vera Röhm
Prinz Ludwig Stiftung
Privatpersonen

Der Druckerei Ph. Reinheimer gilt
unser besonderer Dank
für Jahrzehnte partnerschaftlicher
Begleitung.



INTeF-Designschnipsel

Wir erinnern an den bedeutenden deutschen Industriedesigner Heinrich Löffelhardt, der am 24. Dezember 1901 in Heilbronn geboren wurde. Für den gelernten Bildhauer waren Gefäße wie handwerklich modellierte Plastiken.


Ess-, Tee- und Kaffee-Service, Trinkgläser, Krüge, Schalen, Platten, Flaschen, Vasen, Ascher: Heinrich (Heinz) Löffelhardt prägte das Erscheinungsbild von Gebrauchsformen aus Glas und Porzellan von den Fünfzigerjahren bis zum Ende der Sechzigerjahre. Seine zeitlos schönen Entwürfe für Arzberg und Schott-Zwiesel, die sich durch Einfachheit, Klarheit, Eleganz und Funktionalität auszeichnen, werden bis heute hergestellt. Der studierte Bildhauer war seinerzeit hinsichtlich nationaler wie internationaler Designauszeichnungen und erzielter Verkaufszahlen seiner Gegenstände der erfolgreichste Formgeber in der deutschen Porzellanindustrie.

Schalen und Teller 3001 Kristall glatt, Foto Willi Moegle

Nach dem Abitur 1920 ließ sich „Lö“ bei der Heilbronner Silberwarenfabrik Peter Bruckmann & Söhne ausbilden, dessen Seniorchef ihm durch ein Stipendium ermöglichte, ab 1924 bei Georg Kolbe in Berlin Bildhauerei zu studieren. Der junge Bildhauer kehrte als freier Entwerfer zur Industrie zurück und entwickelte ab 1934 im Auftrag des Amtes „Schönheit der Arbeit“ Kantinengeschirre, die unter anderem von Gebr. Bauscher und den Keramischen Werken Bohemia in Neurohlau gefertigt wurden. 1937 lieferte Rosenthal das von ihm gestaltete Teeservice 700 „Schönheit der Arbeit“ an den Reichsarbeitsdienst. Charakteristisch waren der zwiebelförmige, glatte Kannenkörper mit fingerbreitem Halsring, die geschweifte Röhrentülle und der Bandhenkel. Die Rosenthal-Tochter Thomas brachte den Entwurf „Barb“ in den Handel. 1937 verpflichtete Wilhelm Wagenfeld Löffelhardt als Mitarbeiter der Vereinigten Lausitzer Glaswerke in Weißwasser. Vier Jahre später wurde er zur Wehrmacht eingezogen und kehrte erst 1947 aus sowjetischer Gefangenschaft zurück. Weil sich in der Wirtschaft wenig Aussichten boten, folgte er Wagenfeld nach Stuttgart und wurde 1949 im Referat für Formgebung des Landesgewerbeamtes tätig, wo er nach Wagenfelds Ausscheiden dessen Nachfolger wurde. Sein besonderes Verdienst war es, mit Ausstellungen und Publikationen der heimischen Industrie nach Jahren der Isolation den Anschluss an internationale Standards zu erleichtern. Gleichzeitig entwarf er wieder für die Industrie: Für die Sicherer’sche Apotheke in Heilbronn entwarf Lö Standgefäße; die Gral-Glaswerkstätten Göppingen produzierten seine Stapelascher. Ende 1952 wurde er künstlerischer Leiter der Porzellanfabriken Arzberg und Schönwald und damit verantwortlich für das gesamte Sortiment. Das Design beider Unternehmen war untrennbar mit dem Namen Hermann Gretsch verbunden, dessen „zeitlos moderne“ Linie weiterfortgeführt werden sollte. Heinz Löffelhardt entwickelte 1954/55 drei Modelle (Arzberg 1542, Arzberg 2000, Schönwald 411), die sich an Gretschs Vorkriegsentwürfen orientierten, aber mit einem eleganten Schwung daherkamen.


Schalensatz 1100 für Arzberg, ausgezeichnet mit dem Grand Prix der XII. Trienale in Mailand, Foto Willi Moegle

1960 kamen die Stapelschalen Arzberg 1100 auf den Markt, deren präzise, rechteckige Formen besondere technische Forderungen an die Produktionsabteilung stellten. Die Idee, mit nur wenigen Teilen durch unterschiedliche Kombinationen eine Vielzahl von Einsatzmöglichkeiten zu schaffen, war neu und bewährt sich bis heute. Bei seinem letzten Entwurf, Arzberg 2007 Residence, kehrte Löffelhardt 1969 zu organischen Formen zurück. Über zwei Jahrzehnte bestimmte dieser Formgeber das gesamte Erscheinungsbild der produzierten Geschirre und Geschenkartikel. Sämtliche Entwürfe von Löffelhardt hat Willi Moegle in beeindruckenden Sachfotografien festgehalten. Ab 1954 war Heinz Löffelhardt für die Formgebung des Jenaer Glaswerks Schott & Gen. in Mainz verantwortlich, einschließlich des Tochterunternehmens Vereinigte Farbenglaswerke Zwiesel. Als Designer hatte er Wagenfeld abgelöst, was zu einem Streit zwischen den beiden führte. Löffelhardt ersetzte Wagenfelds Entwürfe durch ein „moderneres“ Programm, sowohl im Bereich des geblasenen Glases (Teegeschirr) wie des Pressglases (Backformen). Die gläserne Teekanne von Löffelhardt wurde von der US-Zeitschrift Fortune 1977 zu den 25 besten Designleistungen der Gegenwart gezählt. Mit Hans Erich Slany formte er 1958 für Zeiss Ikon die Kompaktkamera „Zeiss Ikonette“, eine der ersten Kameras mit Kunststoffgehäuse. 1959 wurde Löffelhardt in den Aufsichtsrat des Arzberger und Schönwalder Mutterkonzerns Kahla berufen, 1963 dann auch in den Aufsichtsrat der Vereinigten Farbenglaswerke. 1971 schied er wieder als künstlerischer Leiter der Unternehmen aus und 1977 endete auch seine Arbeit für Schott-Zwiesel. 1976 erhielt Heinrich Löffelhardt die Ehrenmitgliedschaft im Verband Deutscher Industrie Designer, 1978 wurde er zum Ehrensenator der Stuttgarter Akademie der Künste gewählt. Heinrich Löffelhardt starb am 22. Mai 1979 in Stuttgart.

Informationen unter anderen aus: Carlo Burschel (Herausgeber) „Heinrich Löffelhardt“, Industrieformen der 1950er bis 1960er Jahre aus Porzellan und Glas – die Gute Form als Vorbild für nachhaltiges Design, Verlag H. M. Hauschild GmbH, 2004


Institut für Neue Technische Form (INTeF), Friedensplatz 11, 64283 Darmstadt